Reisebericht Motorflug

Die Nordkap Details

Beide Meteorologen sagten uns für gestern, Montag, den 6. Juni beste Flugbedingungen für die Region rund ums Nordkap voraus. Für uns Anlass, die Flugplanung von Gällivare zum Nordkap – und dann zum Ziel des Tages zu konkretisieren. Für den Hinflug war und Tailwind vorausgesagt, so dass wir die Strecke zum Nordkap ohne Tankstopp planen konnten. Die Zwischenlandung zum Tanken für den Rückflug planten wir nach der Rückkehr vom Nordkap in Alta ENAT ein. Aufgrund der Wetterprognose für den Folgetag sollte unser Ziel am Abend wieder Gällivare im schwedischen Lappland sein. Routing detailliert festlegen, NOTAMS und TAF’s lesen, Flugplan aufgeben, Kartenvorbereitung, GPS programmieren, Kofferpacken;-), Hotel zahlen und uns zum Flughafen fahren zu lassen waren die weiteren Schritte. Dank eines freundlichen Flughafenangestellten bekamen wir schon 15 Minuten vor der offiziellen Öffnung des Flughafens Zugang auf das Vorfeld und konnten unseren Flieger für die Reise zum nördlichsten Teil Europas präparieren. 13:30 Uhr local erhoben wir uns mit der Super Dimona von der RWY 12 in Gällivare um die weite Reise über 293 NM (ca. 550 Kilometer) in den Norden anzutreten. Heute war Mario PF (Pilot Flying). Wieder empfing uns die unendliche Weite Lapplands mit Seen, Wäldern und Tundra. Erneut wurde uns diese nicht sehr lebensfreundliche Landschaft bewusst und auch, dass es im Notfall nur sehr schwierig ist, eine geeignete Landemöglichkeit zu finden. Nur vereinzelt ziehen Straßen durch das Land. Es bleibt wohl in den allermeisten Fällen nur das „Ditching“, also die Landung in einem der vielen Seen. Natürlich fliegen wir immer mit angelegten Schwimmwesten und Mario hat im Vorfeld unseres Fluges weitere Sicherheitsausrüstung inklusive eines PLB (Personal Locator Beacon) beschafft. So sind wir also gerüstet für den Fall, von dem wir hoffen, dass er nicht eintritt. Auf der ersten Teilstrecke von Gällivare nach Alta (ca. 180 NM) gibt es nur eine Straße, die uns in unterschiedlicher Entfernung von unserer Route begleitet, und mit Kautokeino (ENKA) einen kleinen Privatflugplatz. Dies gibt einen Hinweis auf die Menschenleere und die unwirtliche Gegend. Nach einsamen 88 NM in Schweden erreichen wir das ebenso unwirtliche Finnland, was wir aber bereits nach weiteren 38 NM wieder verlassen und die norwegische Finnmark erreichen. Hier ändert sich die Landschaft drastisch; die Tundra bleibt zurück und das Gebirge mit nackten Felsen, teilweise zugefrorenen Seen und Schneefeldern begleitet uns. Nach 56 NM über diese sowohl lebensfeindliche wie auch faszinierende Landschaft erreichen wir Alta mit dem Altafjorden. Über Funk hören wir mit, wie die Gruppe von über 20 deutschen Flugzeugen, die wir bereits am ersten Abend in Kristiansand getroffen hatten, zurück vom Nordkap auf dem Flugplatz von Alta landen und sind schon ein wenig froh, die Reise individuell geplant zuhaben und durchzuführen. Hier im Altafjorden erreichen wir wieder eines der Ziele unserer Reise: die norwegische Fjordküste. Verzaubert von der Schönheit dieser Gegend genießen wir schweigend diese optischen Eindrücke. Über den Vargsund und die Insel Seiland führte uns der weitere Flug hinaus nach Hammerfest. Hier änderte sich unsere Flugrichtung auf 540, dem Nordkap und dem ehrgeizigen Ziel des Fluges entgegen. Bei strahlendem Sonnenschein und ruhiger See sahen wir den massiven Felsen aus der See herausragen, schon lange bevor wir ihn erreichten. Während wir das Nordkap von West nach Ost umrundeten genossen wir still, das Ziel unserer Reise erreicht zu haben. 12 NM weiter südlich lag mit Honningsvag (ENHV) der nördlichste Flugplatz Europas, auf dem wir landeten, um uns den obligatorischen Stempel in unser Flugbuch und das Bordbuch der Super Dimona abzuholen. Zum Tanken flogen wir den Porsangerfjorden 65 NM nach Süden. Auf dem Flughafen Banak wurden wir – wie übrigens auf unserer Reise bisher immer – sehr freundlich begrüßt; tanken, Routing planen und Flugplan für den Rückflug nach Gällivare aufgeben waren angesagt. Es folgte die Einladung zu einer Tasse Kaffee und einem small talk durch das Personal des Flughafens, der wir gerne folgten. Den Rückflug mit der Sonne im Rücken, die in der ganzen Nacht nicht verschwindet, nutzten wir, um die vielfältigen Eindrücke des Tages zu reflektieren und das Licht der tief stehenden Abendsonne (besser wäre eigentlich „Nachtsonne“) in der verzauberten Landschaft zu genießen. Am Abend wurden wir wieder sehr freundlich im "Skogshotell" von Gällivare aufgenommen und freuten uns über einen leckeren Elchburger mit Pommes! 7. Juni Schlechtes Wetter kommt von Westen (gerade trommelt Regen auf das Blechdach unserer Hütte). Heute werden der Blog geschrieben, die Bilder ins Netz gestellt und die Stille und Einsamkeit Lapplands wirken gelassen. Die Meteorologen haben uns für Morgen wieder einen Flugtag zu Norwegens Westküste avisiert. Wir freuen uns.

7.6.11 14:07

bisher 4 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Clarissa (7.6.11 22:19)
Hallölle!

Ich bin ja so neidisch auf euch
Das hört sich und sieht auch fantastisch aus was ihr da gerade erlebt!

Ich wünsche euch noch ganz viel Spass!!!

Liebe Grüße aus Leipzig,

Clarissa


Fabian (7.6.11 22:29)
Männer,
ich bin stolz (& neidisch) und wünsche Euch einen gute Rückflug. In 4 Tagen zum Nordkap ist eine saugute Leistung, individuell geplant noch einmal mehr zu würdigen. Der Elch- Sticker steht der guten alten Elk- äh Echo-Kilo ganz gut....


katrin (8.6.11 16:53)
Im Ernst? Elchburger? Wie schmeckt das denn? Weiterhin viel Spaß!


mario (8.6.11 17:45)
..der Elch schmeckt so ähnlich wie Rentier

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